„Mensch, jetzt reiß Dich mal zusammen!“

Ist er nur schlecht drauf oder hat er Depressionen?

Es passiert immer wieder, dass Angehörige von depressiv gestimmten Menschen der Meinung sind, dass sich derjenige doch einfach nur zusammenreißen sollte. Schließlich hat ja gerade in Corona-Zeiten jeder mal Phasen, wo er grübelt oder einfach schlecht drauf ist.
Fakt ist, dass jeder mal trübe Gedanken hat und sich auch hin und wieder fragt, was die Zukunft uns denn noch so alles beschert. Aber wann handelt es sich um eine Verstimmung und wann ist es eben eine Depression?

In Deutschland erkranken jährlich ca. 5,3 Millionen Menschen zwischen 18 und 79 Jahren an Depressionen. (Tendenz aufgrund von Covid 19 steigend). Frauen sind zwei bis dreimal so häufig betroffen wie Männer. Eine Depression ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die jeden treffen kann.
Sie muss und sollte behandelt werden. Nach wie vor ist das Thema stark tabuisiert.
Eine Depression geht mit hohem Leid und einem erhöhten Suizidrisiko einher. Sie liegt nach ICD 10 (das ist die internationale Klassifizierung psychischer Erkrankungen) dann vor, wenn 2-3 der Kernsymptome und einige Zusatzsymptome für mind. 14 Tage vorliegen:

Verminderter Antrieb, vermindertes Interesse, depressive Stimmung.
Zusatzsymptome können sein: Vermindertes Selbstwertgefühl, Gewichtsabnahme, Schlafstörungen, Gefühl von Schuld- und Wertlosigkeit, negative Sicht auf die Zukunft, sozialer Rückzug, Grübeln, verminderte Konzentration und Ausdauer.

Aaron Beck (Entwickler der Kognitiven Theorie der Depression) sieht eine hohe Bedeutung von irrationalen Glaubenssätzen und Denkmustern bei der Entwicklung von psychischen Störungen.
So werden bereits in der Kindheit Schemata erlernt, die später durch bestimmte Auslöser automatische Gedanken erzeugen. Oft haben depressive Patienten eine negative Sicht auf die eigene Person, auf die Umwelt und auf Dinge, die die Zukunft betreffen. Das führt häufig zu einer Negativspirale, die es den Betroffenen schwermacht, ihre Sichtweise zu verändern.

Was können Betroffene tun?
Machen Sie sich mit Hilfe von Menschen Ihres Vertrauens auf die Suche nach einem geeigneten Therapeuten. Sprechen Sie zunächst mit Ihrem Hausarzt ohne Scheu.
Der Verband Pro Psychotherapie e. V. hat auf seiner Website Therapie.de Online-Tests zu diversen Themen (Angststörungen, Depressionen, Sucht usw.). Hier können Sie anonym und schnell zur ersten Einschätzung einen Test durchführen.
Außerdem gibt es von der Deutschen Depressionshilfe an diversen Standorten Selbsthilfegruppen.
Hier erfahren Sie nützliche Tipps und können sich mit Gleichgesinnten austauschen.
Bei akuten Krisen wenden Sie sich bitte an den Krisendienst in Mittelfranken (Öffnungszeiten täglich von 9:00 bis 24:00 Uhr), außerhalb der Öffnungszeiten an die psychiatrischen Notaufnahmen der Krankenhäuser oder bei akuter Gefahr an den Polizei-Notruf 110. Sie können auch die Telefonseelsorge kontaktieren 0800/ 1110111 oder 1110222.
 
Was können Angehörige tun?
Auch wenn es schwer fällt: Machen Sie dem Betroffenen keine Vorwürfe. Versuchen Sie stets eine vertrauensvolle Verbindung aufrecht zu erhalten.
Unterstützen Sie die Person dabei einen geeigneten Therapeuten zu finden.
Denken Sie aber auch an sich selbst. D. h. holen Sie sich ebenfalls Hilfe und Rat, wenn Sie der Meinung sind, dass Sie es benötigen.

Aussichten:
Depressionen sind heute sehr gut behandelbar.
Leichte bis mittelschwere depressive Störungen sind entweder psychotherapeutisch oder medikamentös behandelbar. Schwere depressive Störungen werden in der Regel mit einer Kombination aus Psychopharmaka und Psychotherapie behandelt.
Ungefähr 80% der betroffenen Patienten können erfolgreich behandelt werden.
Das Mittel der Wahl bei einer psychotherapeutischen Behandlung ist die Kognitive Verhaltenstherapie. Wichtige Wegbereiter sind Ellis, Beck, Meichenbaum u. a.

Auch Achtsamkeit (Mindfulness Based Stress Reduction von Jon Kabat-Zinn) hilft sowohl bei der Behandlung als auch zur Prävention von Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen.